Let the World pass
Philipp Timischl
24 LED-Panels, Medienprozessor, Laptop, Video (10:07 Min.), Gerüst
250 × 250 cm
2025–2026
Inv. Nr. 0510
Let the world pass ist eine Videoskulptur, die mit dem Sinn für Distanz und Realität spielt. Ursprünglich als fünf Meter hohe LED-Wand für die St.-Andrä-Kirche in Salzburg konzipiert, wurde die Arbeit für die evn sammlung zu einem Quadrat adaptiert, das in der Mitte von einer Öffnung gleicher Form durchbrochen wird.
Der Screen zeigt eine Ich-Perspektive, die sich unaufhörlich vorwärtsbewegt, ähnlich wie in einem Open-World-Videospiel – mal als langsames Gleiten, mal als schneller Sprint. Die Umgebung ist dabei völlig instabil: Landschaften, Gebäude und Wetter schmelzen permanent ineinander. Das Video entstand mit einer frühen Version von OpenAIs Sora. Weil dieses KI-Modell bereits ausgemustert wurde, ist die von Glitches geprägte Ästhetik in der Zeit eingefroren – eine Zeitkapsel für den Moment, in dem die Text-zu-Video-Technologie entstand.
Der Titel deutet auf ein Gefühl des Geschehenlassens und der Hingabe hin: die passive Beobachtung dieser neu erschaffenen digitalen Welt wie auch ein Sich-Fügen in das rasante Tempo der KI. Aus der Ferne wirkt die ständige Vorwärtsbewegung wie ein Magnet. Tritt man näher heran, bricht das realistische Bild in ein abstraktes Raster aus LED-Pixeln zusammen. Genau in der Mitte dieser sich auflösenden Welt liegt das Loch, das den Augen erlaubt, den Fokus zu wechseln, durch den Screen hindurchzusehen und sich im realen Raum dahinter zu verankern. Weiterlesen