Calendar 2022
Markus Krottendorfer
Annual Calendar of 2022, produced on the occasion of the company's 100th anniversary. Graphic Design: Christoph Steinegger, Interkool; 17 pages, spiral-bound
41 × 31 cm
Commission 2021
Inv. No. CAL-06
Im Sommer 2021 startet Markus Krottendorfer im Auftrag der evn sammlung eine Tour durch die niederösterreichische Kraftwerkslandschaft. Aus Anlass des einhundertjährigen Jubiläums des Energieunternehmens werden verschiedene Anlagen zur Energieerzeugung auf völlig neue Art und Weise interpretiert. Historische Kraftwerke, Kraftwerke in Betrieb, Kraftwerke, die nie in Betrieb gegangen sind – die vielfältige Mischung der Architekturen und Landschaften wird vom Künstler zum Teil in spektakulären Nachtaufnahmen in Szene gesetzt.
„Krottendorfers künstlerische Praxis bewegt sich an der Schnittstelle zwischen dokumentarischen Strategien und fiktiver Spekulation und lotet zugleich auch die Grenzen zur Gebrauchsfotografie aus“, schreibt Reinhard Braun, Herausgeber von Camera Austria International, in seiner Charakteristik des Künstlers. Markus Krottendorfer selbst meint über seine Arbeitsweise:
„In meinen Fotografien geht es oft nicht um die rein objektive, dokumentarische Abbildung einer Realität, sondern um die Beschreibung einer Vorstellung von Zukunft oder Vergangenheit, die auf real existierenden Szenarien basiert. Die Inspiration für viele Serien kommt vom Genrekino. Die meist analogen, durch farbiges Licht gesetzten Verfremdungseffekte, die in den Fotos sichtbar sind, finden ebenso Anwendung in der Filmindustrie. Diese eindeutigen Verfremdungen dienen nicht nur der formalen Ästhetisierung der Fotografien, sondern thematisieren die Manipulationen an sich. So verweisen das Spiel mit der schon während der Aufnahme stattfindenden Verfremdung sowie die Bezugnahme auf Filmsets und Filmszenen auch auf den Wahrheitsgehalt und die vermeintliche Authentizität von Fotografien. Ich sehe die Fotografien auch als Umkehrung einer dokumentarisch-realen Ebene in die Fiktion.
Die Fotografien zeigen Kraftwerke und ihre Architekturen sowie Details von unterschiedlichen technischen Anlagen, die mit gezielter Lichtsetzung in grelle Farben getaucht sind. Kombinationen von Komplementärfarben erschaffen aus den vorhandenen architektonischen Strukturen neue geometrische Formen. Fast plastisch treten diese aus den Bildern hervor, werden mit den Schatten und Gebäudeelementen überlagert.
Das Gebäude bekommt einmal auch Augen, und die Lichtspiele im Inneren können als Eigenleben im Sinne einer Spukhaus-Horrorgeschichte interpretiert werden. Es stellt sich bald die Frage, wo die Grenzen von Realität und Fiktion verlaufen.
Während der mehrmonatigen Produktion der Fotoserie, die zu einem Teil in der Nacht stattfand, schien ich mich in den Gebäuden, den Hallen und unzähligen Gängen schon langsam aufzulösen. Die Idee, eine Art psychedelische Fotoserie zu produzieren, wurde dadurch immer realer. Die Arbeit an meinen Serien ist für mich genauso wichtig wie das Resultat, das heute vorliegt.“ Alle Fotos wurden von Markus Krottendorfer in der Dunkelkammer mit analoger Technik vergrößert (Technik: C-Print).
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